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Und plötzlich ist man arbeitslos

März 24th, 2009 · No Comments

Oftmals hat man schon eine dunkle Vorahnung, manchmal trifft es einen, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Buchstaben in dem Schreiben, das man in den Händen hält, beginnen zu tanzen, zu verschwimmen und man mag es kaum fassen. Das Entsetzen ist unermesslich, man hat die Kündigung bekommen. Nun drehen sich die Gedanken im Kreis. Eigentlich hat man Glück, wenn man schon damit rechnen kann, dass man die Kündigung bekommt, weil es dem Betrieb schon über Monate hinweg nicht gut ging. Erfolgt die Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses aufgrund eines Vorfalls, mit dem man nicht gerechnet hat, ist die Bestürzung noch größer, als wenn man sich wenigstens ein bisschen darauf einstellen konnte. Im Endeffekt ändert es nichts daran, wie und warum man die Kündigung bekommen hat: Arbeitslos ist man trotzdem.

Das erste große Problem, das auf einen zukommt, ist es, der Familie mitzuteilen, dass nun harte Zeiten folgen werden. Das Geld wird knapp, die Wünsche bleiben gleich. Den Kindern kann man nicht mehr kaufen, was sie sich so innig gewünscht haben, der Partner wird kürzer treten müssen, und auch selbst muss man sich einigen Luxus versagen, der vor wenigen Tagen noch selbstverständlich war. Ausflüge, Restaurantbesuche, abendliches Ausgehen, neue Kleidung und vieles mehr wird nun zunächst einmal vom Plan gestrichen. Die neuen Programme für den Computer oder die Spielekonsole müssen warten, bis wieder ein normales Gehalt ins Haus kommt, und vielleicht muss auch die Reparatur am Auto erst einmal zurückgestellt oder provisorisch erledigt werden. Der Gang zum Arbeitsamt ist nach Jahren der Beschäftigung nicht leicht. Schnell wird man mit Menschen in einen Topf geworfen, denen gar nichts daran liegt, wirklich Arbeit zu finden. Oft muss man sich unter Wert verkaufen, um überhaupt wieder Aussichten auf eine neue Stelle zu haben. Aber irgendwie muss es ja schließlich weitergehen.

Pläne, die man schon lange fest beschlossen hatte, müssen verworfen werden. Ein gebuchter Urlaub wird, sofern man eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hat, storniert, um das Geld zum Leben zur Verfügung zu haben. Der Traum vom neuen Auto muss um einige Jahre verschoben werden, denn nun geht es zunächst einmal an das Ersparte. Auch den Weber Q 2000 Grill, den man sich eigentlich für die laufende Saison bestellen wollte, kann man sich nun einfach nicht mehr leisten. Das alte Modell, das man schon jahrelang benutzt, wird wieder auf Hochglanz poliert, und muss nun noch für einige Zeit genügen. So zerplatzt Traum um Traum, während man alle Kraft darauf verwendet, möglichst gute Bewerbungen zu schreiben und zu verschicken, Vorstellungsgespräche zu besuchen und alles Mögliche zu unternehmen, endlich wieder eine neue Arbeit zu finden. Jede Absage, die mit der Post ins Haus kommt, verstärkt die Depression. Neid auf Nachbarn und Freunde, bei denen alles seinen geregelten Gang geht, kommt zu Tage. Irgendwann hat man auch am Haus oder im Garten nichts mehr zu tun, und dann kommt noch die Langeweile dazu.

So vergeht Woche um Woche, in der die Angst vor der Zukunft immer stärker wird. Die Geldnot im Hause führt zu Streitereien, nicht nur mit dem Partner, sondern auch mit den Kindern. So geht der Kreislauf immer weiter, bis dann eines Tages endlich das ersehnte Kuvert im Briefkasten liegt: die Zusage, zum nächsten Ersten eine neue Stelle antreten zu können. Als wäre es nicht ein schmaler Brief, sondern ein Zentner schweres Paket gewesen, bringt dieses Schreiben neuen Lebensmut, Motivation und Engagement mit sich. Man ist Feuer und Flamme, kann es kaum erwarten, bis der große Tag endlich anbricht. Nervös verbringt man eine schlaflose Nacht, bevor endlich der Morgen da ist und man sich auf den Weg zur Arbeit machen kann. Schon bald ist das Thema Arbeitslosigkeit vergessen, es war nur eine Episode, die leider für viele Menschen mittlerweile zum Leben gehört.